Über die Macht der Gedanken!
Sascha war kein besonderer Mann. Er arbeitete jeden Tag in derselben kleinen Werkstatt am Rand des Dorfes. Seine Hände waren rau, sein Rücken oft müde, und seine Gedanken… nun ja, seine Gedanken waren selten freundlich zu ihm.
„Das wird wieder nichts“, murmelte er oft, noch bevor er überhaupt angefangen hatte.
Eines Tages kam eine alte Frau in die Werkstatt. Sie brachte eine kaputte Uhr. Nichts Besonderes – dachte Sascha. „Die ist hinüber“, sagte er, noch bevor er sie richtig angesehen hatte.
Die Frau lächelte nur. „Vielleicht“, sagte sie ruhig, „aber vielleicht auch nicht.“
Sascha zuckte mit den Schultern und begann widerwillig zu arbeiten. Doch während er die kleinen Zahnräder betrachtete, hörte er ihre Worte nachklingen.
Vielleicht auch nicht.
Zum ersten Mal seit Langem hielt er inne. Was wäre, wenn er nicht gleich vom Scheitern ausgehen würde? Was wäre, wenn er einfach… versuchte?
Er setzte die Teile vorsichtig zusammen. Konzentriert. Ruhig. Ohne den üblichen inneren Lärm.
Und dann geschah etwas Merkwürdiges.
Die Uhr begann zu ticken.
Sascha starrte sie an. Es war keine große Sache – nur eine reparierte Uhr. Aber für ihn fühlte es sich an, als hätte sich etwas verschoben.
„Siehst du“, sagte die Frau, als sie die Uhr entgegennahm, „du hast ihr eine Chance gegeben.“
„Ich habe sie nur repariert“, antwortete Sascha.
Die Frau schüttelte den Kopf. „Nein. Du hast anders gedacht.“
In den Tagen danach begann Sascha, kleine Dinge zu verändern. Nicht sein Leben auf einmal – nur seine Gedanken.
Wenn ein Auftrag schwierig schien, sagte er sich: „Ich schaue es mir erst einmal an.“
Wenn er müde war, dachte er: „Ein Schritt noch.“
Wenn etwas misslang, sagte er: „Was kann ich daraus lernen?“
Es war kein Zauber. Nicht alles gelang. Manche Tage waren schwer wie zuvor. Aber etwas war anders: Er gab dem Guten eine Chance, überhaupt zu entstehen.
Und langsam, fast unmerklich, veränderte sich sein Leben.
Die Menschen kamen häufiger zu ihm. Nicht nur wegen seiner Arbeit, sondern weil sie sich in seiner Nähe wohler fühlten. Es war, als hätte seine Ruhe einen Raum geschaffen, in dem Dinge wachsen konnten.
Eines Abends saß Sascha vor seiner Werkstatt und dachte nach.
Er erinnerte sich an einen Satz, den er einmal gehört hatte:
„Achte auf deine Gedanken, denn sie bestimmen dein Leben.“
Früher hatte er das für große Worte gehalten. Jetzt verstand er es anders.
Gedanken waren keine Befehle, die die Welt sofort veränderten. Aber sie waren wie Samen. Manche gingen nicht auf. Andere brauchten Zeit. Doch was man pflanzte, wuchs – früher oder später.
Sascha lächelte leise.
Er hatte gelernt, nicht alles schönzureden. Die Welt war nicht immer leicht. Dinge gingen kaputt. Menschen machten Fehler. Auch er selbst.
Aber er hatte auch gelernt, dass zwischen „Es wird nichts“ und „Es wird schon alles perfekt“ ein stiller, kraftvoller Ort lag:
„Es könnte gut werden. Ich gebe ihm Raum.“
Und in diesem Raum begann sein Leben, sich zu entfalten.
(Monika Fleissner-Sadjak Mai 2026)