„Selbstannahme“

Stell dir  Valentin vor, wie er am Fenster sitzt und über sich selbst nachdenkt.

Er spürt seine Unsicherheit, seine Zweifel, seine kleinen und großen Fehler. Dieses ehrliche, manchmal unbequeme Bild von sich – mit allem, was gerade da ist – ist sein Realselbst: so bin ich.

Gleichzeitig trägt er in sich ein anderes Bild. Eine Version von sich, die immer stark ist, immer weiß, was zu tun ist, nie scheitert und von allen bewundert wird. Dieses Bild hat er im Laufe seines Lebens entwickelt – durch Erwartungen, Vergleiche und Wünsche. Das ist sein Idealselbst: so sollte ich sein.

Doch je mehr Valentin versucht, diesem Idealselbst zu entsprechen, desto mehr merkt er, wie weit er davon entfernt ist. Er fühlt sich oft ungenügend, angespannt, nicht richtig. Zwischen seinem Realselbst und seinem Idealselbst entsteht eine Lücke – und genau diese Lücke verursacht inneren Druck.

Eines Tages stößt Valentin auf einen Gedanken von Carl Rogers:
„Es ist paradox, aber erst wenn wir uns so annehmen wie wir sind, können wir uns verändern!“

Zuerst versteht er das nicht. Wie soll er sich verändern, wenn er einfach akzeptiert, wie er ist?

Doch langsam beginnt er es zu begreifen. Valentin hört auf, gegen sein Realselbst anzukämpfen. Er erlaubt sich, unsicher zu sein. Er gesteht sich Fehler zu. Er sieht sich selbst nicht mehr als „nicht gut genug“, sondern als jemand, der gerade genau so ist, wie er ist.

Und genau dadurch passiert etwas Unerwartetes: Der Druck verschwindet. Er muss nicht mehr krampfhaft jemand anderes sein. Und gerade weil er sich nicht mehr zwingt, kann er sich weiterentwickeln – freier, ehrlicher und nachhaltiger.

Gleichzeitig verändert sich auch sein Idealselbst. Es wird realistischer, menschlicher, näher an seinem echten Erleben. Es ist nicht mehr ein unerreichbares „Perfektsein“, sondern eine Richtung, in die er wachsen kann.

In diesem Prozess entsteht Kongruenz.

Kongruenz bedeutet die Übereinstimmung zwischen dem, was ist (Realselbst), und dem, was sein soll (Idealselbst). Je mehr Valentin sich selbst annimmt und je realistischer sein Idealselbst wird, desto kleiner wird die Lücke zwischen beiden. Er fühlt sich stimmiger, echter und innerlich ruhiger.

Am Ende sitzt Valentin wieder am Fenster. Er ist nicht perfekt – aber er ist im Einklang mit sich. Und genau darin liegt die Veränderung, die er sich immer gewünscht hat.